Küsse, die nach Ersticken schmeckten. Streicheleinheiten, die sie ertrug, weil sie glaubte, dass dies der Preis für Liebe sei. Fremdliebe, für die sie viele Opfer brachte, weil sie von Eigenliebe nichts verstand.
Jede Beziehung ein Abwägen: Wie lange kann ich warten? Wann muss ich wie viel Intimität zulassen, damit ich ihn nicht verliere?

Gegangen waren die Männer trotzdem, im Guten. Keine Trennung mit großem Knall, eher ein stilles Auseinanderdriften, bis beide merkten, dass sie sich nicht mehr erreichen konnten.

Danach: Erleichterung, zumindest in der ersten Zeit, bis die Selbstzweifel überwogen. Dass sie liebenswert war, konnte sie nur glauben, wenn jemand sich entschied, mit ihr zusammen zu sein.

Eingeengt in der Gemeinschaft, unsicher allein, in diesem Wechselspiel gingen die Jahre dahin. Bis sie endlich begriff, dass nichts Schlimmes daran war, anders zu sein. Sie trennte sich, anstatt zu warten, bis sie verlassen wurde, um sich dann ob ihres Scheiterns selbst zu zerfleischen. Jeder Tag ein weiterer Schritt weg von dem inneren Zwang, sich anzupassen und ihr Leben in eine gesellschaftliche Schablone zu pressen.

Jetzt steht sie vor dem Spiegel und lächelt sich noch einmal zu, ehe sie das Haus verlässt. Sie hat sich hübsch gemacht, trägt ihr bestes Kleid. Ein ganz besonderer Abend soll es werden, denn sie hat ein Date – mit sich selbst.

***

 (Dieser Text entstand für den Mikrofiktions-Wettbewerb der Schreibplattform „Sweek“, wurde von der Jury unter die Finalisten gewählt und ist in „Das Sweek Kurzgeschichten Buch: Band 4“ erschienen. Aufgabe war es, eine Geschichte mit maximal 250 Wörtern Länge zu schreiben, in der das Wort „Date“ vorkommt.)