Strom im Inneren. Anspannung, die nicht weichen will. Im Kopf rattert es, nicht mal Gedanken, nur ein rasendes Wirrwarr, das niemals still steht. Ich atme bewusst, spanne Muskeln an und lockere sie wieder, versuche es mit Bewegung und mit Ruhe, tue alles, um dem Hirn zu sagen: Alles okay, du kannst einen Gang runterschalten. Es hört mir nicht zu, nicht richtig. Ein hektischer Moment und es schlägt Alarm. 

Ganz ruhig, es passiert nichts, die Sirene heult umsonst. Hör nicht hin, steh auf, öffne das Fenster! Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen, langsamer, tiefer, so ist es gut. Der Moment geht vorüber, doch der Kopf bleibt in Bereitschaft, will gewappnet sein für die nächste Bedrohung, die gar keine ist.

Der Körper ist müde, das Gehirn hellwach. Was willst du denn noch, was fehlt dir, was muss ich tun, damit du zur Ruhe kommst? Ich suche nach der Antwort, jeden Tag. Spürst du nicht, wie sehr ich mich anstrenge?

Du würdigst es nicht, schickst mir stattdessen ein Feuerwerk. Nicht bunt und schön, keines, das mich staunen lässt oder Freude spendet. Blitze vor meinen Augen, grelle Lichter, eine flimmernde Wand zwischen mir und der Welt. Wörter, sonst in Sekundenbruchteilen erfasst, werden zu Buchstabenrätseln, die ich zwar noch entschlüsseln kann, aber es kostet Kraft, so viel Kraft.

Du hast gewonnen, ich kapituliere, ziehe mich zurück, schotte mich ab von allem außer dem permanenten Rauschen, das alles andere überdeckt und jede Konzentration unmöglich macht.

Irgendwann, nach endlos scheinenden Stunden oder Tagen, beruhigst du dich wieder und lässt mich erschöpft zurück. 

Ich denke nach, analysiere, versuche herauszufinden, womit ich dich dieses Mal dazu gebracht habe, dich so lautstark gegen mich zu wenden. Ich will nicht, dass wir Feinde sind. Danach fühlt es sich aber an, wenn du überreagierst und ein Gewitter über mich hereinprasseln lässt, das mich in die Knie zwingt. Ich mache doch so viele Schritte auf dich zu, warum kommst du mir nicht mehr entgegen, wenigstens ein kleines Stück?

Wir sind doch eins, du und ich, wir sollten nicht gegeneinander kämpfen. Ich weiß, dass du das genauso siehst. Vielleicht schreist du nur so laut, weil du Angst hast, dass ich dich sonst nicht höre. Die Welt ist dir zu verwirrend, zu schnell, zu wechselhaft. Ich glaube, manchmal erträgst du sie nicht mehr, deshalb zwingst du mich, sie auszusperren. Aber ich will teilhaben an ihr, sie hat doch so viele schöne Seiten! 

Komm, lass uns einander die Hände reichen und gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen, ganz langsam nur, so dass es dich nicht überfordert. Ich versuche, dir besser zuzuhören und du versuchst, mir die Wolken an deinem Himmel zu zeigen, bevor sich ein Unwetter entlädt. Denn ob wir wollen oder nicht, wir müssen miteinander auskommen, mein liebes, übereifriges Gehirn. Wäre es da nicht besser, wir würden Freunde sein?