Ich brauche festen Boden unter meinen Füßen, fürchte mich davor, ins Wanken zu geraten und mein fragiles Gleichgewicht zu verlieren.

Ab und an stolpere ich, balanciere mich gerade noch aus und stehe dann da, das Herz so rasend, dass ich den Puls in jeder Faser meines Körpers spüren kann. Doch egal, wie vorsichtig ich bin, manchmal kann ich den Sturz nicht verhindern.

Während ich falle, scheint sich die Welt um mich zu verlangsamen. Es ist, als würde ich neben mir stehen und mir dabei zusehen, wie mich die Schwerkraft in Zeitlupe nach unten zieht. Dann kommt der Aufprall. Er erschüttert mich, lässt all meine Sicherheit in sich zusammenfallen, selbst wenn er gar nicht schmerzhaft war.

So ist es, wenn mein Körper fällt, viel mehr aber noch, wenn es mit meiner Seele geschieht. Beides fühlt sich sehr ähnlich an, nur dass bei dem einen Sturz blaue Flecken auf meiner Haut und bei dem anderen dunkle Schatten im Verborgenen entstehen.

In guten Phasen bewege ich mich sicher und verschwende kaum einen Gedanken an die Angst vor dem Fallen. An manchen Tagen tanze ich sogar fast durch die Welt, erfüllt vom tiefen Vertrauen darin, dass der Boden nicht nachgeben und mich sicher tragen wird. In schlechten Zeiten ist jeder Tag ein Kampf um die innere Balance. Dann werden meine Schritte immer wankender, bis selbst der kleinste Fehltritt genügt, damit ich mich nicht mehr halten kann.

Ich komme auf, zittere, fluche, weine und fühle mich zerbrechlich und verletzt, selbst wenn mein Körper unversehrt bleibt. So sitze ich da, versuche ruhig zu atmen, um den Schreck zu verdauen. Ein und aus, jedes Mal ein wenig tiefer. Dann rappele ich mich hoch, vorsichtig zunächst, weil ich noch nicht darauf vertraue, dass mich meine Füße wieder sicher tragen. Nach einer Weile habe ich es geschafft: Ich stehe wieder fest mit beiden Beinen auf dem Boden meines Lebens.

Es wird nicht der letzte Sturz gewesen sein. Ich weiß, dass ich immer wieder fallen, aber auch, dass ich jedes Mal erneut aufstehen werde, egal wie schwer es wird und wie lange es dauert. Eines Tages, so hoffe ich, werde ich trittsicher sein.