„Warum schreibst Du?“ Das ist wohl eine der häufigsten Fragen in Autorengruppen bei Facebook oder in andere Netzwerken. Ich lese die Antworten jedes Mal mit großem Interesse und habe mir natürlich auch meine eigenen Gedanken dazu gemacht. Es wird Zeit, sie etwas ausführlicher niederzuschreiben.

Ich brenne nicht, ich glimme

Viele schreiben, wie sehr sie für das Schreiben brennen, dass sie gar nicht anders können, sich sonst unvollständig, nicht lebendig, nicht wie ein ganzer Mensch fühlen. Dann sitze ich etwas verschämt vor dem Bildschirm und frage mich, ob ich mich mit meiner kleinen, unscheinbaren Antwort überhaupt in den Schatten großer Leidenschaften stellen soll. Für die bin ich nämlich nicht gemacht. Ich schreibe, weil ich es gern tue und es mir leicht fällt, mit Worten umzugehen, zumindest wenn ich sie aufschreiben kann. Gespräche sind da eine andere Sache, aber ich schweife ab …

In erster Linie ist das Schreiben für mich ein wunderbares Hobby. Ich genieße die Zeit, die ich damit verbringen kann und ich freue mich, wenn ich andere mit meinen Texten erreiche. Aber ich spüre kein großes Feuer in mir, ich glimme eher so vor mich hin. Anfangs habe ich damit gehadert, wenn ich die vielen tollen Antworten las, die nur so vor Schriftstellergeist sprühten, inzwischen sage ich mir: Es ist okay, so bin ich eben. Wenn wir alle brennen würden, wäre es auch viel zu heiß. Also übernehme ich den Part, gemeinsam mit anderen Pragmatikerin für Abkühlung zu sorgen.

Vom Tanz mit der Dunkelheit

Und doch ist da mehr als nur das bloße Vergnügen daran, Buchstaben zu einer Geschichte oder einem Gedankensplitter zusammenzusetzen. Hierbei ist das Schreiben aber nicht so sehr die Triebfeder, sondern vielmehr ein Werkzeug oder gar eine Waffe, die ich nutze, um meine inneren Dämonen zu bekämpfen. Die Landkarte meiner Seele ist voller schwarzer Flecken. Früher wusste ich damit nicht umzugehen, fühlte mich der Dunkelheit sinnlos ausgeliefert und habe entweder versucht, mich von ihr abzulenken und sie zu betäuben oder leise wimmernd gehofft, sie möge doch endlich verschwinden. Geholfen hat es nicht, im Gegenteil. Meine Schwäche, mein passives Verharren in erstarrter Untätigkeit nährte ihre Kraft, bis ich irgendwann an den Punkt gelangte, an dem ich wusste, dass es nur noch zwei Möglichkeiten gibt: Mich von der Finsternis verschlingen zu lassen oder mich herauszukämpfen.

Ich habe mich für den letztgenannten Weg entschieden. Es ist ein holpriger Kampf, bei dem es immer wieder Rückschläge gibt. Aber jedes Mal, wenn ich gefallen und wieder aufgestanden bin, gehe ich ein wenig stärker daraus hervor. Ein Grund dafür ist, dass ich die Macht des Schreibens entdeckt habe. Indem ich die Schatten nicht länger als Feinde betrachte, sondern als Material, aus dem ich Worte und Geschichten formen kann, fällt es mir leichter zu akzeptieren, dass sie mich wohl niemals ganz verlassen werden. Womöglich brauche ich sie sogar, um schreiben zu können, weil sie es sind, die mich ans Notizbuch oder den Computer treiben. Daher sehe ich die Dunkelheit nicht mehr nur als Fluch, sondern auch als Geschenk, denn ohne sie hätte ich niemals Texte wie „Mein Schatten“ oder „Tinte“ geschrieben und wäre vielleicht sogar ein anderer Mensch. Das wäre schade, denn ich mag mich, trotz aller Macken und Unvollkommenheiten. Es hatte lange gedauert, bis ich das so sagen oder schreiben konnte. Dass ich heute so weit bin, verdanke ich vor allem dem Schreiben.

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