„Erinnerst du dich an mich?“
Lena zuckte zusammen und sah sich um.
Eine Gestalt löste sich aus dem Schatten und trat in das fahle Licht der Lampe über der Eingangstür des abgelegenen Hauses.
„Wer sind Sie? Was wollen Sie?“ Ihre Hände zitterten so stark, dass sie das Schlüsselloch nicht traf.
„Weißt du es nicht oder willst du es nicht wissen?“ Der Mann griff nach ihrem Handgelenk und verdrehte es.
Lena ließ den Schlüssel fallen und schrie.
Er lachte. „Glaubst du wirklich, dass dich hier jemand hört? Ernsthaft, Lena? Bist du immer noch so naiv?“
Sie dachte zurück an ihre Jugend, eine Mutprobe und den seltsamen Jungen, dessen unheimliches Lächeln sie nun in dem Gesicht dieses Mannes sah.
„Jetzt weißt du, wer ich bin, nicht wahr? Du weißt, warum ich gekommen bin.“
Lena zitterte. „Es war doch nur ein Spiel.“
Erneut lachte er. „Das sagen sie alle, wenn sie mich wiedersehen. Wie enttäuschend langweilig.“ Schlagartig veränderte sich sein Blick. Der Hohn verschwand und wich einer bedrohlichen Gier. „Genug gespielt.“
Lena spürte, wie er sie an den Oberarmen packte, trat nach ihm, schrie, strampelte, versuchte mit ruckartigen Bewegungen, sich zu befreien – vergebens.
„Glaubst du immer noch, dass man seine Seele nicht verspielen kann?“
Er drängte sie gegen die Haustür in ihrem Rücken und gab ihr einen frostigen Kuss.

Drei Tage später fand ein einsamer Wanderer ihre Leiche, auf jedem Auge ein Würfel mit einem Wort. Zusammen ergaben sie einen Satz: „Game over“.

(Dieser Text wurde für den monatlichen Mikrofiktions-Wettbewerb bei Sweek geschrieben. Vorgegebenes Wort: Spiel)

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