Da ich nicht ausschließlich für die Schublade oder die Dateiablage auf dem Computer schreiben, sondern meine Gedanken, Texte und Geschichten auch mit anderen teilen möchte, beschäftige ich mich schon länger mit den verschiedenen Veröffentlichungsformen, von Websites und Communities über Selfpublishing bis hin zur Verlagssuche. Eine große Gemeinsamkeit gibt es bei allen Varianten: Ohne Social Media scheint es nicht mehr zu gehen. Es reicht auch nicht nur ein Account, es wird suggeriert, man müsse überall präsent sein.

Vermutlich ist das sogar wahr, denn es wird insgesamt weniger gelesen. Die eigene Filterblase lässt das schnell vergessen. Ein Beispiel: Ich bin bei Facebook als Leserin in mehreren Buchgruppen vertreten und mit Lesern sowie Autoren „befreundet“. Entsprechend ist meine Timeline voll von Beiträgen literaturbegeisterter Menschen. Aber das ist nur ein Ausschnitt aus der großen, weiten Social-Media-Welt. Schaut man sich hingegen Statistiken über den Anteil begeisterter Leser an der Gesamtgesellschaft an, sieht es schon wieder ganz anders aus.

Wer gelesen werden will, muss gesehen werden

So läuft das heutzutage. Zumindest wer auf gute Verkaufszahlen angewiesen ist, kann kaum noch auf Instagram und Co. verzichten. Früher hätte ich stattdessen Facebook genannt, aber das ist inzwischen auf dem absteigenden Ast, heißt es. Wer auf sich aufmerksam möchte, braucht heute Instagram, heißt es. Ich war dort auch mal, ebenso bei Twitter und Pinterest. Aber es gefiel mir nicht. Diese Flut an Bildern ist nicht meine Welt, ich will viele Buchstaben, viel Inhalt und wenig Deko. Zugegeben, es sieht hübsch aus, wie manche ihre Fotos arrangieren, aber es ist nicht meine Welt. Twitter mit den ganzen Tweets und Retweets überfordert mich, mit der Struktur komme ich nicht zurecht und die Pinnerei fand ich eine Weile ganz nett, hatte dann aber keine Lust mehr drauf. Und das tolle ist, ich muss mich gar nicht weiter damit beschäftigen, weil ich das alles nicht brauche, solange ich einfach mein Ding mache, so wie ich es für richtig halte.

Schreiben ist für mich Entspannung

Es ist ein Ausgleich und zugleich ein Weg mich auszudrücken und mich anderen mitzuteilen. Gewiss habe ich Ambitionen, die haben aber wenig mit Leserzahlen oder dergleichen zu tun. Ich habe hier zwar Zählpixel eingebaut, wenn genug Leute vorbeistolpern, verdiene ich also ein wenig was an dem, was ich hier mache, aber das deckt vermutlich gerade so die Kosten der Website, wenn überhaupt. Das macht nichts, mir geht es nicht ums Geld und auch nicht darum, irgendwann ein Buch in der Hand zu halten, auf dem mein Name steht.

Mein Ziel und Anspruch ist es, so zu schreiben, dass ich mit meinen Texten zufrieden bin und voll und ganz hinter ihnen stehen kann. Ich möchte mich weiterentwickeln, besser werden, nicht immer auf der Stelle treten. Das alles möchte ich aber fernab des großen Trubels tun, hier in meinem virtuellen Wohnzimmer und ein wenig auch auf Sweek, wo ich gerne mal an den Mikrofiktions-Wettbewerben teilnehme – und zwar, weil ich Freude daran habe. Sicher, ich habe mich sehr darüber gefreut, es mit „Beziehungswechsel“ auf die Finalistenliste geschafft zu haben und natürlich wäre es toll, vielleicht sogar mal zu gewinnen, aber das ist alles ein angenehmer Nebeneffekt. Ich nehme teil, weil mich die Wortvorgabe oft zu einer kleinen Geschichte inspriert. Außerdem finde ich es spannend, was für unterschiedliche Texte jeden Monat entstehen. Mal bin ich mehr, mal weniger aktiv, je nach Lust und Laune.

Genau so möchte ich mit den sogenannten sozialen Medien umgehen: Diejenigen nutzen, die mir gefallen, und zwar so oft und so viel ich möchte, auch und gerade wenn es darum geht, auf meine Texte aufmerksam zu machen. Im März war ich bislang bei Sweek zum Beispiel noch kaum aktiv. Ich habe nur wenige Geschichten gelesen und selbst noch keine geschrieben. Das ist okay so. Vielleicht bekomme ich noch einen Inspirations- und Motivationsschub, vielleicht auch nicht. Beides ist in Ordnung. 

In der Hobbynische ist es unaufgeregt und kuschelig

Das ist genau das, was ich brauche. Da das Schreiben für mich zugleich auch ein Werkzeug im Kampf gegen die inneren Dämonen ist, möchte ich es frei halten von allem, was mich unnötig stresst. Ich meine hiermit nicht den positiven, antreibenden Stress, den ich produktiv für mich nutzen kann und der dann abflaut, wenn ich eine Herausforderung gemeistert und beispielsweise endlich die richtigen Worte für eine besonders knifflige Stelle gefunden habe. Mir geht es um den negativen Stress, der an den Kräften zehrt und mich in mentale Schieflagen bringt. Eine zu starke Social-Media-Präsenz ist da bei mir ein starker Verursacher. Daher habe ich meine Facebook-Seite gelöscht und nutze nur noch mein persönliches Profil und bin ansonsten nur noch bei Sweek. Außerdem habe ich beschlossen, es mir weiterhin in meiner Hobbynische gemütlich zu machen und nur hier und bei Sweek zu veröffentlichen. Das ist mir genug, damit fühle ich mich wohl und es ist mir gleich, was andere darüber sagen und denken.

Nicht mehr so sehr über die Meinungen anderer nachzugrübeln war für mich ein wichtiger Lernprozess, der mich sowohl beim Schreiben als auch in meinem sonstigen Leben begleitet. Ich habe mir über Jahre hinweg viel zu viele Gedanken darüber gemacht, was richtig ist und was falsch und ob etwas nicht mit mir stimmt, weil ich etwas anders ticke. Inzwischen kann ich sagen: Ich bin okay und ich tue, was gut für mich selbst ist, egal welchen Wert andere dem zumessen. 

Eine Weile hatte ich vor, das Schreiben etwas professioneller anzugehen, aber nicht aus einem eigenen, inneren Bedürfnis heraus, sondern weil ich verunsichert war von all den Kommentaren zu Fragen wie der, ab wann man sich denn Autor nennen dürfe. Ich sehe das pragmatisch. Ich verfasse Texte, also bin ich deren Autorin. Andere sehen den Begriff elitärer und halten es für wertlos, kurze Texte zu schreiben und diese kostenlos ins Netz zu stellen. Sollen sie doch so denken, es ist wichtig, dass ich mit dem zufrieden bin, was ich tue. So denke ich heute, aber vor einer Weile haben mich solche Äußerungen noch in Selbstzweifel gestürzt. Bringt das überhaupt etwas, was ich hier tue? Ja, denn ich habe Freude daran und hin und wieder bekomme ich Rückmeldungen, die mir zeigen, dass ich andere mit meinen Worten erreiche. Und ich bin stolz auf mich, wenn ich wieder einen kleinen Text fertig geschrieben habe und damit zufrieden bin. Mehr Anerkennung brauche ich nicht. 

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